Kellerratte Juni 2013

Die Kellerei hat noch gar nicht ihre Pforten geöffnet, schon hat sich das kulturelle Niveau nach oben gehoben! OK, zwar nur um knappe 20 cm, aber nachdem der Gemeinderat mit seinem Beschluss einer Reuttener Kleinkunstbühne den Boden geebnet hat, ist dies mit dem Estrich auch im wörtlichen Sinn geschehen.

Und auch sonst lassen sich einige bauliche Fortschritte verzeichnen. Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind schon angeliefert, die Arbeiten an der Bühne im vollen Gange. Und mit all den Überlegungen, Vorschlägen und Veränderungen zieht langsam ein gewisser „Spirit“ in die leeren Kellerräumlichkeiten ein und Erwartungen machen sich breit.

Noch ist nicht allzu viel zu sehen und noch soll auch nicht zu viel davon verraten werden, was die Reuttener Bevölkerung am Tag der Eröffnung erwartet, aber die Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

Also werden auch wir Kellerratten unsere Fellärmel hochkrempeln und weiterhin mithelfen, dieses Gemeindeprojekt umzusetzen.

Kellerratte Mai 2013 

Viele meiner Nagetierverwandten fragen mich immer wieder: „Wie kannst du nur in einem Keller hausen? Ohne Tageslicht!“ Dabei verstehen sie nicht, wie spannend der Wohnort einer Kellerratte eigentlich ist. In einem Keller finden sich nämlich all jene Dinge, die wir aus unserem Alltag verbannt haben, die wir aber trotzdem nie wegschmeißen würden. Da stößt man beispielsweise auf alte Kassetten, obwohl man gar keinen Kassettenrecorder mehr besitzt, auf die Playboysammlung aus Junggesellentagen, auf Lieblingsklamotten, die grad nicht mehr in Mode sind, und hie und da auch auf ein Brautkleid, das man ziemlich sicher nicht mehr braucht, weil entweder die Ehe hält oder weil’s eh nicht mehr passt. Auch der eine oder andere unverwirklichte Traum taucht plötzlich wieder auf. Kurzum, Dinge die untrennbar mit uns verbunden sind, aber an der Oberfläche nichts zu suchen haben, weil sie eben nicht oberflächlich sind.

Ganz ähnlich verhält es sich mit der Kultur. Da geht es auch um Dinge, die scheinbar keinen Nutzen im Alltag haben. Kultur beschäftigt sich nämlich nicht zwingend damit, wie die Dinge sind oder sein sollen, sondern wie sie sein könnten. Der Begriff Kultur wird definiert als die Gesamtheit ALLER Lebensäußerungen einer Gesellschaft - also auch unsere Geschichte, unsere Utopien, unser Spieltrieb, unser Nichtalltag. Eben alles, was wir üblicherweise im Keller verstecken.

Deswegen ist das Leben einer Kellerratte so interessant. Und deswegen gehen wir – wenn uns der Alltag zu schwer wird – so gerne in den Keller.

Kellerratte April 2013

Über uns Kellerraten, beziehungsweise über unsere nächsten Verwandten, herrschen ja viele schreckliche Vorurteile. Dass wir als erste das sinkende Schiff verlassen, wird da behauptet, oder dass wir aus unseren Löchern gekrochen kommen, sobald es was zu holen gibt. Das schmerzt eine redliche Kellerratte wie mich. Und ich frage mich, warum ausgerechnet in letzter Zeit diese Vorurteile so häufig zu hören sind. Ach so, ja! Landtagswahlen!

Dann bin ich ja beruhigt, wenn mit diesen Aussagen gar nicht wir, sondern die Politiker unterschiedlicher Coleurs gemeint sind. Aus künstlerischer Sicht ist diese Farbenvielfalt der antretenden Listen durchaus bemerkenswert. Ob es der Kunst in unserem Land auch nützen wird, bleibt abzuwarten. Viele Streitthemen, von Agrar bis Verkehr, werden da ins Feld geführt.  Ich hoffe nur, man vergisst nicht auf jene Bereiche, die das Leben in unserer Region lebenswert machen, wie etwa eine kleinstrukturierte Kulturarbeit und der damit verbundenen Unterstützung seitens des Landes. Schließlich sind qualitative Kulturangebote nicht zwingend die großen Kassenschlager.

Wie auch immer das bunte Treiben am Sonntag enden wird, hoffen wir hier unten in der Kellerei, dass die alten und neuen Besen im Landhaus nicht nur kehren, sondern sich auch bekehren lassen und der Kulturarbeit in den Regionen auch unter die Arme greifen werden.

Ein Politiker/eine Politikerin hat’s sicher nicht leicht. Jedem will man’s recht machen – und damit keinem. Und so mancher scheint halt auch auf seinen eigenen Vorteil bedacht zu sein. Jene seien von einem Nagetier – das es ja schließlich wissen muss – gewarnt: Von innen sieht ein Hamsterrad nämlich aus wie eine Karriereleiter.

Kellerratte März 2013

Ich sag’s euch! Bei uns im Keller geht’s zu wie auf der Baustelle - was wohl daran liegen mag, dass er auch gerade eine Baustelle ist. Die Mannen des Gemeindebauhofes haben nämlich nicht nur Nägel mit Köpfen sondern auch gleich Wände mit Türen gemacht und damit den Grundstein für eine Reuttener Klein-kunstbühne gelegt.

Derweilen sind wir Kellerratten schon fest am Kopfen, was in dieser Räumlichkeit so alles stattfinden wird. Und da täten unserer kleinen Rattenkolonie ein paar zusätzliche Hirne und Pfoten ganz gut. Entgegen der landläufigen Meinung vermehren sich Kellerraten nämlich gar nicht so schnell. Wenngleich wir bereits über eine große Schar an Anhängern und Sympathisanten verfügen, könnten wir doch noch ein paar Frontratten gebrauchen, egal ob Programmratten, Gastroratten, Technikratten oder Einfach-nur-so-Ratten. Alle, die auf der Suche nach einer künstlerischen Heimat oder einem kulturellen Zweitwohnsitz sind, sind herzlich eingeladen. Keine Scheu - wir sind ja schließlich auch nur Ratten! Meldet euch einfach unter www.diekellerei.at.

In der Zwischenzeit nimmt die Kellerei Tag für Tag Formen an. Und mit dem Baufortschritt wächst auch der Hunger nach einem spannenden, geist- und abwechslungsreichen Kulturbetrieb unter Tag.

Kellerratte Feber 2013

Eine kleine Kellerratte, wie ich sie bin, führt ein recht unaufgeregtes Leben. Da kommt es – wie neulich – schon mal vor, dass man es sich auf dem Sofa gemütlich macht und auf der Suche nach Unterhaltung durch die Fernsehkanäle zappt. Und wie ich so vor mich hin zappe, lande ich plötzlich im Dschungelcamp. Sofort will ich weiter-drücken, aber da war es schon zu spät. Das Bild, wie mir irgendein abgehalfterter C- oder D-Promi sein runzeliges Hinterteil entgegen reckt, hat sich bereits in meine Netzhaut gebrannt. Der absolute Null-punkt der Abendunterhaltung wäre damit wohl definitiv erreicht!

Wahrscheinlich sitzen die gar nicht im Dschungel, denk ich mir, sondern einfach nur in irgendeinem Treibhaus in einem Kölner Fernsehstudio! Ein Treibhaus – das gibt es auch in Innsbruck. Dort treiben aber ganz andere Blüten. Musik, Kabarett, Theater – Unterhaltung, die zum Denken anregt statt zum „Speibn“. Nur leider ist der Weg in die Landeshauptstadt für eine arme kleine Kellerratte sehr beschwerlich und ich müsste fürchten, unter die Räder eines holländischen Wohnwagens zu geraten.

Wie also soll ich meine Abende verbringen? Vielleicht könnte ja daheim in unserem Keller etwas Ähnliches ent-stehen? Kein Gewächshaus, aber doch ein Ort, an dem etwas wachsen kann, an dem es junge Talente zu entdecken oder alte Größen zu bestaunen gibt. Das wär doch was! Und ein bisschen Besuch von oben würde mich auch freuen. Dann würde ich meine Fernbedienung nehmen und einfach neu beschriften. Und anstelle von „Fernseher aus“ schreib ich „Hirn an“!