Balconystories -„Chapter Truth“
zum Weltfrauentag
Freitag | 08. März 2024 |  20.00 Uhr
€ 25,-/20,-/U18 frei

Mit dem neuen Album „Chapter Truth“ möchte die Band mit Musik gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* Awareness schaffen. Balconystories arbeitet im Sinne der Aufklärungskunst, um das breite gesellschaftliche Schweigen zu brechen und um Enttabuisierung voranzutreiben.

Gewalt betrifft uns alle, wie komplex und lange die Folgen sind von Gewalt sind, erläutert Sängerin Sabrina auf Ihren Konzerten.

Der Weg ist das Ziel, heißt es ja bekanntlich. So auch bei balconystories. Nach fast drei Jahren Projektarbeit für Musik gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen* lohnt es sich einen genaueren Blick auf das dabei entstandene Album ‚Chapter Truth‘ zu werfen. Es ist kein gewöhnliches Album wie das Projekt vielleicht bereits vermuten lässt. Neben harter Arbeit zur Realisierung des Vorhabens, sind bereits in den Jahren davor einige der Songs zur erlebten Gewalterfahrung entstanden. Erst später wurde klar, dass die eigenen Erlebnisse nicht wieder verschwinden sollten. 

Um Awareness zu schüren, Tabus zu brechen und nicht wieder hinter einer Fassade zu verschwinden, entschied sich die Lead Sängerin mit der Band für dieses Projekt. 

All diese Schwere wird durch schmeichelhafte Melodien verdaulicher gemacht, wer nicht auf den Text hören möchte spürt auch so die Emotionen. Nur zu reden reicht manchmal nicht und Musik hat die Menschen schon immer verbunden. Mit Hoffnung, Mut und Vinyl im Gepäck startet balconystories nun 2024 in der Kellerei Reutte ihre Chapter Truth Tour.

https://www.balconystories.at/

Sabrina Weihrauch - Voice
Christoph Kuntner - Git
Sebastian Schweiger - Keys
Benny Lampert - Bass
Jakob Köhle - Drums

 

Sabrina Weirauch singt auf dem ersten Album mit ihrer Band „Balconystories“ über ihre Missbrauchsgeschichte. Sie will helfen.

Innsbruck – Dem langen Schweigen folgt Aufarbeitung auf eine besondere Art. Sabrina Weirauch singt sich mit ihrer Tiroler Band Balconystories auf ihrem ersten Album „Chapter Truth“ ihre Angst, Panik und Wut von der Seele. In den Texten verarbeitet die 28-Jährige ihre traumatischen Erlebnisse als Kind, jahrelang Opfer von sexueller Gewalt im Familienkreis geworden zu sein. Seit 13. Jänner ist das erste Lied daraus „Cat Calls“ auf den Streamingdiensten zu hören. „Die Lieder machen jedoch auch Hoffnung und Mut, sich zu wehren, anderen Menschen davon zu erzählen und sich Hilfe zu suchen“, sagt die gebürtige Oberösterreicherin.

Sie selbst weiß, wie schwierig das ist und wie viel Kraft und Überwindung das Reden darüber kostet. Nach dem Wohnsitzwechsel 2014 nach Innsbruck dauerte es trotz räumlicher Distanz noch einmal vier Jahre, bis sie jemandem davon erzählte und den Täter anzeigte. Im Jänner 2020 wurde dieser zu 33 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Wegen einer so genannten Weihnachtsamnestie und Betagtheit wurde der Täter bereits nach 7 Monaten Haft entlassen. „Gerechtigkeit gibt es auch nicht nach einem Schuldspruch“, sagt sie. Ihre Erlebnisse zeigten ihr, dass der Rechtsstaat täterfreundlich handelt, anstatt Betroffene oder Opfervertretungen ausreichend zu involvieren. Auch Jahre nach dem Prozess leidet Weirauch immer wieder sowohl an physischen als auch psychischen Beschwerden.

Sängerin Sabrina Weirauch gibt Gewalt eine Stimme.
© Jenny Haimerl

Die ersten Texte schrieb sie während der Zeit des Prozesses. Dem Erlebten eine Stimme mit verschiedensten Melodien aus Soul, Rap, Jazz und mit elektronischen Elementen zu geben, nennt sie „‚Aufklärungskunst‘, die Bewusstsein schaffen und Veränderung bringen soll“. Es ist ihr Anliegen, etwas zu bewirken. Die Gesundheitsmanagerin, deren Hobby Musik ist, hofft auch mit einem „Ohrwurm für einen längeren Nachhall zu sorgen“. Auf ihren Konzerten spricht sie die Probleme sexueller Gewalt offensiv an und macht auf Hilfsorganisationen aufmerksam.

Sie, die durch den Geldpreis von „FrauTiroler 2020“ das Album schön realisieren konnte, will auch etwas zurückgeben. Wenn das Album ab 14. Februar gestreamt oder als Langspielplatte (LP) gekauft werden kann, gehen aus dem Vinyl-Erlös vier Euro an Frauenprojekte.

Dass durch die gestiegene Zahl von Femiziden in Österreich das Thema Gewaltverbrechen an Frauen mehr Aufmerksamkeit bekommt, ist für Sabrina Weirauch „ein positiver Wandel und sensibilisiert die Gesellschaft. Es wird auch endlich nicht mehr von Familiendramen gesprochen, sondern von Femiziden. Und ich versuche auf allen Ebenen, die mir möglich sind, dazu beizutragen, gehört zu werden und mit der Musik etwas zu bewegen.“

 

 

Veranstaltungsfotos © frischmusic